Vom Schulhof ins Künstleratelier

Kinder und Jugendliche sind kreativ und wollen gestalten. Damit dies gelingt, müssen sie in ihrer Kreativität gefördert werden. Am besten dort, wo sie einen Großteil ihrer Zeit verbringen – nämlich in der Schule.

Warum also nicht einfach Kunst und Kultur direkt zu den Kindern auf den Schulhof bringen – dachte sich die Crespo Foundation und hat gemeinsam mit dem Hessischen Kultusministerium (HKM) und dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK) im Jahr 2018 das Programm Das fliegende Künstlerzimmer als neues Programm Kultureller Bildung an Schulen ins Leben gerufen.

Das fliegende Künstlerzimmer – ein mobiles Wohn-Atelier – und die Präsenz des Künstlers*der Künstlerin erlauben die Begegnung mit den Künsten im Schulalltag und liefern im Verständnis einer ganzheitlichen Bildung Impulse zur Schulentwicklung.

Die Schule kann im Laufe der einjährigen Zusammenarbeit mit dem*der Künstler*in Unterrichtsmodelle entwickeln und Strukturen verändern, um auch nach dem Wechsel des fliegenden Künstlerzimmers an eine andere Schule künstlerische Praxis und ästhetische Erfahrungen im Schulalltag zu ermöglichen.

Darüber hinaus kann sich zwischen dem*der Künstler*in im fliegenden Künstlerzimmer und den Schüler*innen und Lehrer*innen ein Vertrauensverhältnis entwickeln, das Freiräume zur Entfaltung der eigenen Persönlichkeit eröffnet.

Im Schuljahr 2019/2020 ist das fliegende Künstlerzimmer auf dem Schulhof der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule im südhessischen Ober-Ramstadt gelandet. Dort wird es aufgrund der zwischenzeitlichen Corona-Zwangspause auch noch für ein weiteres Schuljahr gastieren. An Bord: die deutsch-dänische Performerin Janina Warnk.

Ein zweites fliegendes Künstlerzimmer landete diesen Sommer an der Limesschule Idstein, einer kooperativen Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe. Und wird dort von der Performerin und Tänzerin Lisa Haucke bewohnt und bespielt.


Band The Bottom Line, Foto: Jessica Schäfer

 


Ein Überblick

Laufzeit
Für jeweils ein Schuljahr gastiert das fliegende Künstlerzimmer auf dem Schulhof einer bzw. seit Sommer 2020 zweier weiterführenden Schulen in Hessen im ländlichen Raum.

Die Limesschule Idstein
Einzeln wichtig – gemeinsam stark! So lautet das Leitbild der Limesschule in Idstein, einer kooperativen Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe, die nach den drei Schulzweigen Hauptschule, Realschule und Gymnasium gegliedert ist. Knapp 1.000 Kinder und Jugendliche in 47 Klassen bzw. Tutorengruppen lernen derzeit an der UNESCO-Schule im Rheingau-Taunuskreis, ca. 700 von ihnen kommen täglich mit dem Bus zur Schule.

Die Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule 
Die Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule in Ober-Ramstadt ist eine integrierte Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe des Landkreises Darmstadt-Dieburg mit insgesamt 1.250 Schüler*innen und knapp 100 Lehrer*innen. Idyllisch wie ein „Tor zum Odenwald“ gelegen, versteht sich die Schule als „Schule für alle“, an der vom Hauptschulabschluss bis hin zum Abitur alle Schulabschlüsse der allgemeinbildenden Schulen erreicht werden können.

Das Artist-in-Residence-Stipendium
Richtet sich an Künstler*innen, die neben dem eigenen künstlerischen Schaffen erfahren sind in der kulturellen Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen an Schulen. Das Stipendium beinhaltet die Nutzung des Wohn-Ateliers auf dem Schulhof und ist mit einem Lebenshaltungskostenzuschuss in Höhe von monatlich 2.000 Euro dotiert. Darüber hinaus erhält der*die Künstler*in einen Material- und Aufwendungszuschuss von jährlich 6.000 Euro für seine*ihre eigene Arbeit und die Zusammenarbeit mit den Schüler*innen.

Das Schuljahr 2020/2021
Seit Beginn des Schuljahres 2020/2021 gastieren gleich zwei fliegende Künstlerzimmer auf zwei verschiedenen Schulhöfen in Hessen.

 

Die Künstlerinnen
Lisa Haucke
Seit August 2020 bewohnt, bespielt und betanzt die Performerin und Tänzerin Lisa Haucke das fliegende Künstlerzimmer auf dem Schulhof der Limesschule in Idstein. Ihre Arbeiten verhandeln soziale Themen im Kontext der Performativen Künste. Dabei entstehen filmische, performative und tänzerische Interventionen, Installationen und Präsentationen – alleine, im Dialog mit einem bestehenden sozialen Feld oder im öffentlichen Raum. Oft ist es die Begegnung zwischen Menschen, die bei den Aktionen im Vordergrund steht: Ihre inneren Erfahrungswelten, die durch die Kunst nach Außen getragen werden.

Janina Warnk
Bewohnerin des fliegenden Künstlerzimmers an der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule in Ober-Ramstadt ist für ein weiteres Schuljahr die Kölner Performance-Künstlerin Janina Warnk. Im Zentrum ihrer Arbeit steht gesellschaftskritischer Humor an der Schnittstelle zum kreativen Aktionismus. Durch Provokation, stilistischen Trash und leichte Zugänglichkeit erhalten ihre Performances häufig eine Art von „partizipatorischem Charakter“. Das Schaffen von immersiven Räumen und Welten ermöglicht eine Raum- und Zeitverschiebung, die Regeln und Grenzen der Realität in Frage stellt und mit ihnen spielt.

Die Zusammenarbeit von Künstler*in und Schüler*innen
In enger klassen- und fächerübergreifender Zusammenarbeit mit den Lehrer*innen der Schule entwickelt der*die Künstler*innen an drei Tagen in der Woche künstlerische Ansätze, um den Kindern und Jugendlichen neue ästhetische Perspektiven auf die Lehrinhalte zu eröffnen. Darüber hinaus bietet der*die Künstler*innen auch offene Ateliersituationen für die Zusammenarbeit mit den Schüler*innen an.

Die Architektur
Das mobile Wohn-Atelier wurde von den Architekten Prof. Nikolaus Hirsch und Prof. Dr. Michel Müller eigens für das fliegende Künstlerzimmer entwickelt. Durch seine Raumhöhe von 3,50 Metern entspricht es einem lichten und großzügig gestalteten Künstleratelier und ist, zerlegt in vier Module, per Tieflader von Schulhof zu Schulhof transportierbar.