Vom Schulhof ins Künstleratelier

Kinder und Jugendliche sind kreativ und wollen gestalten. Damit dies gelingt, müssen sie in ihrer Kreativität gefördert werden. Am besten dort, wo sie einen Großteil ihrer Zeit verbringen – nämlich in der Schule.

Warum also nicht einfach Kunst und Kultur direkt zu den Kindern auf den Schulhof bringen? dachte sich die Crespo Foundation und hat gemeinsam mit dem Hessischen Kultusministerium (HKM) und dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK) im Jahr 2018 das Programm „Das fliegende Künstlerzimmer“ als neues Programm Kultureller Bildung an Schulen ins Leben gerufen.

Das fliegende Künstlerzimmer – ein mobiles Wohn-Atelier – und die Präsenz des Künstlers*der Künstlerin erlauben die Begegnung mit den Künsten im Schulalltag und liefern im Verständnis einer ganzheitlichen Bildung Impulse zur Schulentwicklung.

Die Schule kann im Laufe der mindestens einjährigen Zusammenarbeit mit dem*der Künstler*in Unterrichtsmodelle entwickeln und Strukturen verändern, um auch nach dem Wechsel des fliegenden Künstlerzimmers an eine andere Schule künstlerische Praxis und ästhetische Erfahrungen im Schulalltag zu ermöglichen.

Darüber hinaus kann sich zwischen dem*der Künstler*in im fliegenden Künstlerzimmer und den Schüler*innen und Lehrer*innen ein Vertrauensverhältnis entwickeln, das Freiräume zur Entfaltung der eigenen Persönlichkeit eröffnet.

Seit dem Schuljahr 2021/2022 gastiert das fliegende Künstlerzimmer erstmals an drei Schulen im ländlichen Hessen: auf dem Schulhof der Einhardschule in Seligenstadt, an der Lüdertalschule in Großenlüder und an der Schule im Emsbachtal in Niederbrechen. An Bord: die Künstlerinnen Christina Wildgrube, Eva Funk und Claudia Sárkány.


Band The Bottom Line, Foto: Jessica Schäfer

Überblick

Laufzeit
Für jeweils mindestens ein Schuljahr gastiert das fliegende Künstlerzimmer auf dem Schulhof einer  weiterführenden Schule in Hessen im ländlichen Raum.

Die Einhardschule in Seligenstadt
Im Gymnasium der traditionsreichen Einhardstadt Seligenstadt am Main werden ca. 1.100 Schüler*innen von der fünften Klasse bis zum Abitur von rund 80 Lehrkräften unterrichtet. Als zertifizierte Schule mit Schwerpunkt Musik bietet die Einhardschule eine breite Auswahl an Musik- AGs; auch das Fach Darstellendes Spiel hat eine lange Tradition.

Die Lüdertalschule in Großenlüder 
Die in der Nähe von Fulda mitten im Grünen gelegene Lüdertalschule ist eine Haupt- und Realschule mit ca. 350 Schüler*innen und rund 30 Lehrer*innen. Als Ganztagsschule bietet sie umfangreiche Angebote im künstlerischen und sportlichen Bereich sowie schulische Förderangebote.

Die Schule im Emsbachtal in Niederbrechen
Die Schule im Emsbachtal ist eine Grund- und Verbundene Haupt- und Realschule in Niederbrechen mit rund 410 Schüler*innen, knapp  50 Lehrer*innen und den Schwerpunkten Berufsorientierung und kulturelle Bildung. 

Das Artist-in-Residence-Stipendium…
richtet sich an Künstler*innen, die neben dem eigenen künstlerischen Schaffen erfahren in der kulturellen Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen an Schulen sind. Das Stipendium beinhaltet die Nutzung des Wohn-Ateliers auf dem Schulhof und ist mit einem Lebenshaltungskostenzuschuss in Höhe von monatlich 2.000 Euro dotiert. Darüber hinaus erhält der*die Künstler*in einen Material- und Aufwendungszuschuss von jährlich 6.000 Euro für seine*ihre eigene Arbeit und die Zusammenarbeit mit den Schüler*innen.

Das Schuljahr 2021/2022
Seit Beginn des Schuljahres 2021/2022 gastieren drei fliegende Künstlerzimmer auf drei Schulhöfen in Hessen.

Die Künstlerinnen
Christina Wildgrube
Christina Wildgrube, Künstlerin im Feld der Druckgrafik, bewohnt das fliegende Künstlerzimmer auf dem Schulhof der Einhardschule in Seligenstadt. Die treibende Kraft ihres künstlerischen Schaffens sieht Wildgrube darin, „die Grenzen des Machbaren zu überprüfen und herauszufordern, um so zu überraschenden Bildlösungen zu gelangen – auch über das Feld der Druckgrafik hinaus“. Für die Schüler*innen der Einhardschule hat sie ein Konzept entwickelt, das diesen ermöglicht, sich in verschiedenen Formaten und Techniken auszudrücken und so eine eigene Bildsprache zu entwickeln.

Eva Funk
Die Wahlberlinerin Eva Funk ist seit Sommer 2021 fliegende Künstlerin an der Lüdertalschule in Großenlüder. Schwerpunkt ihrer Projekte war bisher das Stärken einer solidarischen (Stadt)Gesellschaft, Baukultur und urbanen Naturerfahrung. Der Künstlerin ist es wichtig, Gestaltung nicht nur als ästhetische Entscheidung zu denken, sondern darin auch demokratische Möglichkeiten zu entdecken. An der Lüdertalschule möchte Funk sich gemeinsam mit den Schüler*innen zunächst mit dem Begriff „Heimat“ beschäftigen: eine Konstruktion, die für die meisten Menschen eine zumeist individuelle Realität ist, die gelebt, erlebt, erlitten, vermisst, gesucht, nicht zuletzt auch: gebildet wird.

Claudia Sárkány
Claudia Sárkány ist Filmemacherin und Performerin und seit dem Schuljahr 2021/22 Artist-in-Residence an der Schule im Emsbachtal in Niederbrechen. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet sie parallel zu ihrer Filmemachertätigkeit als Kunst- und Filmvermittlerin, ihr Schwerpunkt ist auch hier das filmische Erzählen. Die Künstlerin hat ambitionierte Pläne für ihr Artist-in-Residence Stipendium an der Schule im Emsbachtal: Gemeinsam mit den Schüler*innen möchte sie ein Performance-, Film- oder Serienkonzept auf die Beine stellen, das sich über das gesamte Schuljahr erstreckt und am Ende in eine glamouröse Kino-Vorführung mit Tickets, Snacks und rotem Teppich mündet. 

Die Zusammenarbeit von Künstler*in und Schüler*innen
In enger klassen- und fächerübergreifender Zusammenarbeit mit den Lehrer*innen der Schule entwickeln die Künstler*innen an drei Tagen in der Woche künstlerische Ansätze, um den Kindern und Jugendlichen neue ästhetische Perspektiven auf die Lehrinhalte zu eröffnen. Darüber hinaus bieten die Künstler*innen auch offene Ateliersituationen für die Zusammenarbeit mit den Schüler*innen an.

Die Architektur
Das mobile Wohn-Atelier wurde von den Architekten Prof. Nikolaus Hirsch und Prof. Dr. Michel Müller eigens für das fliegende Künstlerzimmer entwickelt. Durch seine Raumhöhe von 3,50 Metern entspricht es einem lichten und großzügig gestalteten Künstleratelier und ist, zerlegt in vier Module, per Tieflader von Schulhof zu Schulhof transportierbar.