Wir sind Mira (13 Jahre) und Maya (12 Jahre) und berichten gemeinsam über das fliegende Künstlerzimmer.

Als wir das Holzhäuschen zum ersten Mal von außen gesehen haben, waren unsere ersten Fragen:„Wie kann man da drin wohnen?“
„Wo ist da ein Badezimmer?“
„Wie wird die Künstlerin wohl sein?“
Und ganz wichtig:
„Wie hält die Künstlerin es ein Jahr lang ohne Fernsehen aus?“

Bei unserem ersten Besuch ist gerade eine Gruppe von Zeichner:innen und Geschichtenschreiber:innen da, die an verschiedenen Projekten und Kunstwerken arbeiten. Jeden Dienstagnachmittag trifft sie sich mit der Künstlerin Claudia Sárkány und es werden Geschichten ausgedacht, Comics gezeichnet und Bilder gemalt. 

Es gibt keine klaren künstlerischen Vorgaben oder Regeln oder Druck, was die Ergebnisse betrifft – es darf alles ausprobiert werden, so lang es um Geschichten oder Bilder oder beides geht. 

Die 11-jährige Neila zeichnet Comics und arbeitet an einem Drehbuch für einen kurzen Trickfilm. Dieser handelt davon, wie sie eine Nacht in einem Vergnügungspark verbracht hat. Das ist nicht wirklich passiert, aber Neila erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive. 

Wir fragen sie, was ihr am meisten am Arbeiten im Künstlerzimmer gefällt. Sie sagt, dass es besonders toll ist, dass man sich nicht melden muss, wenn man etwas sagen will und freier sein kann, als zum Beispiel im Kunstunterricht. Themen werden nicht vorgegeben, man muss nichts abgeben und wird nicht benotet. 

Lana, 10 Jahre, zeichnet für ihr Leben gern. Sie findet es gut, dass die Künstlerin ihr Beispiele zeigt und Vorschläge macht, Tipps gibt und hilft. Außerdem mag sie die Atmosphäre des Künstlerzimmers und kann dort ruhig arbeiten, ohne gestört zu werden.

Die 12-jährige Diana ist nur ausnahmsweise spontan dabei, weil ihre AG ausgefallen ist. Sie hat sich sofort ans Tablet gesetzt und damit kleine Trickfilme gezeichnet. 

Unsere am Anfang gestellten Fragen werden bei unserer ersten Besichtigung direkt beantwortet:

-> Es ist viel gemütlicher und größer, als man von draußen vermuten würde und es riecht angenehm nach Holz. 

Wir könnten uns vorstellen, ein Jahr lang in dem Tiny House zu wohnen und fragen die Künstlerin, ob wir miteinziehen dürfen. Sie sagt, dass sei okay, wir müssten das nur mit unseren Eltern klären. 

-> Zu winzig für drei, perfekt für eine

Bevor wir sicher zusagen, wollen wir aber erst nochmal das Badezimmer genau inspizieren: Es ist zwar sehr modern und süß, das schwarze Design ist stylish, aber für drei Leute ist es dann doch ein bisschen zu winzig. Da wir alle drei zur ersten Stunde fertig sein müssen, würde das morgens eher stressig werden.

Für eine Person ist es aber ziemlich perfekt, sagt Claudia Sárkány über ihr Teilzeitzuhause. Finden wir auch. 

-> Sympathisch und nett

Und wir finden sie sympathisch und nett, womit unsere vorletzte Frage auch abgehakt wäre.

-> Ein Leben ohne Fernseher – geht das überhaupt?

Zuletzt muss sie uns aber noch erklären, wie ihr fernsehloses Leben so aussieht. Die Künstlerin fährt eine Leinwand runter und zeigt auf einen Beamer an der Decke – ab und zu schaut sie so einen Film, sagt sie. 

Meistens schläft sie aber mit einem Laptop auf dem Schoß und Serien guckend im Bett ein. Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen im Künstlerzimmer macht sie meistens so müde, dass sie abends in der Regel keinen langen Film mehr durchhält. Obwohl sie Filme liebt.

Plötzlich müssen wir unsere Sachen zusammenpacken und rennen, weil unser Bus fährt. Die Zeit im Künstlerzimmer ist so schnell vergangen, dass wir gar nicht glauben können, dass wir zwei Stunden lang da waren.

Wir freuen uns schon auf unseren nächsten Besuch!

Fotos: Claudia Sárkány