Bis vor einigen Jahren patrouillierten eifrige, in leuchtend orangene Westen gekleidete, Streitschlichter auf dem Schulgelände umher. Ihr Einsatzbereich war der Schulhof`sche Krisenherd, der turbulente Ort, an dem sich jede Pause genügend Ballast ansammelte, der aus der Welt geschafft werden musste. Irgendwann verschwanden die auffälligen Friedenswächter dann von der Bildfläche.

War das ein Zeichen für die erfolgreiche Ausmerzung der Auseinandersetzungen und Meinungsunstimmigkeiten? Wohl kaum!
Bei dieser realitätsfernen Bestandsaufnahme schwingt eine deutliche Portion Skepsis mit, die leider genau dann aufkeimt, wenn es um den langfristigen Frieden zwischen jungen Heranwachsenden im pubertären Zwischenstadium geht. Der währt nämlich für gewöhnlich nie länger als eine Pause.

Aufschlussreicher ist der realistische Ansatz: Den erhitzten Gemütern ist es zu unangenehm, die zumeist weniger gravierenden Konflikte im Beisein eines*einer Dritten auszutragen. Der Kriegszustand ist also keineswegs überwunden, er verlagert sich lediglich an jene unzugänglichen Orte, die für unbeteiligte Ohren in ferner Reichweite liegen. Benötigt werden folglich effiziente Strategien der Problembewältigung. Frieden ist nämlich nicht nur da notwendig, wo sich zwei Länder bekriegen, sondern auch auf der Mikroebene gefordert, in unseren eigenen Alltagen, in denen wir oft mit uns selbst hadern.

Um eine Lösung zu finden und Erfolg zu erlangen, muss man immer klein anfangen, so heißt es in einer erfolgsversprechenden Lebensweisheit. So war das dann auch bei Sina. Es begann mit der #Peacebell – einer aus Kriegsschrott gegossenen Glocke –, die zur Umkehrung des Prozesses der verheerenden Materialschlacht bei Verdun dient und dadurch zum Friedensinstrument umfunktioniert wurde. Mit dem Erwerb dieses symbolträchtigen Gegenstandes entwickelte sich die angehende Abiturientin Sina allmählich zu einer kreativen Friedensaktivistin, die in ihrer Freizeit Interviews mit Michael Patrick Kelly, Sänger und Erfinder der Friedensglocke, führte, und am Wochenende zwischen Darmstadt und Verdun hin und her pendelte, verschiedenen deutschen und französischen kulturellen Veranstaltungen beiwohnte, und nebenbei noch einige Gottesdienste plante.

Ihr Friedensprojekt erreichte dabei nicht nur die lokale Zuhörerschaft. In den Schlagzeilen einer französischen Zeitschrift wird ihr Engagement, den Frieden zwischen den ehemaligen Erzfeinden Deutschland und Frankreich zu thematisieren, auch der französischen Leserschaft berichtet.

Zurück im heimischen Terrain, wanderte die #Peacebell dann in das Fliegende Künstlerzimmer, wo sie drei Tage lang von staunenden Schüler*innen und Lehrer*innen begutachtet werden konnte. Um in den Kern der Ausstellung hervorzudringen, mussten die Besucher*innen den mit Friedhofsbildern beklebten und mit Lichterketten verhängten Eingangsflur überwinden. Der eigentliche Ausstellungsraum vermittelte dann ein einladendes Ambiente. Die sanfte Musik webte sich durch die Ausstellungsbilder, die den Fertigungsprozess der Glocke abbildeten. Auch das wehende Banner, auf dem eine Taube durch die Friedensworte verschiedener Sprachen flog, galt als wichtiger Bestandteil des ebenfalls auf die Thematisierung der Toleranz und internationalen Verständigung zielenden Projektes. Für die etwas Jüngeren gab es auch ein kreatives Angebot. Weiße Ballons wurden verziert und bemalt und anschließend stolz in die Klassen getragen.

Anstelle der orangenen Westen fungiert nun also die #Peacebell als ein neues Zeichen für den Frieden. Hoffen wir doch, dass sie dem nie aus der Zeit fallenden Thema „Frieden“ neue Zugänge verschafft und viele Ohren mit ihrem Klang erreicht hat. 

Eine bezaubernde Realisierung der so wichtigen Erinnerungskultur!
Jessica Figlus