Im Zuge unserer Studienfahrt nach Marseille hatten wir die besondere Gelegenheit, die Künstlerin Laure in ihrem Atelier zu besuchen. Wir waren sehr dankbar, dass sie sich trotz ihrer fortgeschrittenen Schwangerschaft und der bevorstehenden Geburt die Zeit nahm, uns willkommen zu heißen und unsere Fragen zu beantworten.

Laure erzählte uns von ihrem Lebensweg und ihren Erfahrungen als Künstlerin. Sie stammt ursprünglich aus Frankreich und hat in Paris studiert, sie hat jedoch bereits in vielen verschiedenen Städten und Ländern gelebt, darunter New York, Brüssel, Berlin und London. 

Vor etwa fünf Jahren zog sie nach Frankreich zurück. Die Suche nach einem passenden Atelier in Marseille war allerdings schwierig: Rund vier Jahre lang suchte sie nach geeigneten Räumlichkeiten, bevor sie schließlich ihren heutigen Arbeitsort fand.

Besonders interessant war ihr Bericht über die Herausforderungen des Künstlerberufs. Aufgrund steigender Kosten ist sie immer wieder auf der Suche nach Nebenjobs und bemüht sich zudem um eine Professur. Neben ihrer eigenen künstlerischen Arbeit gibt sie zudem auch Workshops.

Anschließend stellte uns Laure einige ihrer Werke vor. Ihre Arbeiten mit natürlichen Materialien beeindruckten uns besonders. Für ihre Skulpturen verwendet sie Ton, den sie von verschiedenen Orten ihrer Reisen mitbringt. Dabei beginnt sie ihre Arbeit meist ohne einen festen Plan und lässt sich stattdessen vom Material selbst leiten. Oft enthält der Ton noch Bestandteile wie Muscheln, Steine oder Scherben, die später Teil des Kunstwerks werden.

Wir waren sehr überrascht, dass sie für eines ihrer Werke sogar Materialien aus einem kontaminierten Gebiet verwendet hat. Das zeigte uns, wie ungewöhnlich und experimentell ihre Arbeitsweise ist.

Einige ihrer Skulpturen werden glasiert und anschließend gebrannt. Dabei verschmilzt das Material teilweise mit der Glasur und erzeugt besondere Oberflächen oder Farbhebungen. Andere Werke bleiben ungebrannt. Diese sind deutlich schwieriger auszustellen, da sie empfindlich sind und regelmäßig feucht gehalten werden müssen, um ihre Beschaffenheit zu bewahren. Außerdem gehen diese schneller kaputt, was sie aber zum Teil mit zum Kunstwerk macht und sie abgefallenen Teile unfachmännisch daneben liegen lässt.

Auch ihre Arbeiten aus Glas hinterließen einen bleibenden Eindruck. Für diese erstellt Laure zunächst Zeichnungen und Entwürfe. Die eigentliche Herstellung übernimmt anschließend ein spezialisierter Glasbläser. Sie selber hat sich an kleineren Glasprojekten versucht, aber für die Komplizierten braucht man jahrelang Erfahrung. Laure sagte, dass solche Projekte, bei denen man auf die Zusammenarbeit mit anderen Fachleuten angewiesen ist, viel Offenheit, Flexibilität und gegenseitiges Vertrauen erfordern.

Der Besuch in ihrem Atelier war für uns eine spannende und inspirierende Erfahrung. Er gab uns nicht nur Einblicke in die Arbeitsweise einer zeitgenössischen Künstlerin, sondern zeigte auch die Herausforderungen und Möglichkeiten des Lebens als freischaffende Künstlerin auf. Besonders beeindruckt haben uns ihre kreative Herangehensweise, ihr Umgang mit unterschiedlichen Materialien und ihre Leidenschaft für die Kunst.

Ziva Schäfer, Schülerin

Hier gelangt ihr zu einer interaktiven Website, auf der die Schüler:innen ihre Eindrücke von der Reise verarbeitet haben: Marseille: Foto ohne Foto