Denise Schäfer, Klassenlehrerin der 4a an der Schule im Emsbachtal, hat mich gefragt, ob ich mit ihrer Klasse etwas machen kann, das den Klassenzusammenhalt stärkt. Sie hatte den Eindruck, dass die Unruhe und zerfaserte Pandemie-Zeit an und abseits von der Schule für große Unruhe innerhalb der Klasse gesorgt hatte und die Schüler:innen gar nie ein freudiges, stabiles Miteinander erleben konnten.

Mein Vorschlag war es, verschiedene Schwerpunkte meiner persönlichen künstlerischen Arbeit einzubringen: Das Performen und das Geschichtenerzählen. Meine Idee wurde enthusiastisch von Denise Schäfer und ihrer Klasse angenommen und wir haben im ersten Schulhalbjahr meiner Artist-in-Residence-Zeit wöchentlich Schauspielübungen und Geschichtenerzähl-Spiele umgesetzt.

Ein Mal haben wir in einer Sonderaktion gemeinsam jede Menge Schmetterlinge gefaltet, um diese zu einer hängenden Installation in der Klasse zusammenzuführen. Dabei hat sich herausgestellt, dass das zwar auch Spaß macht, die Klasse aber eindeutig in erster Linie voller Performer:innen und Geschichtenerzähler:innen ist – alle sind direkt wieder voller Enthusiasmus und Engagement ins Schauspielen und Geschichtenerfinden eingetaucht.

Im kürzlich begonnenen, neuen Schulhalbjahr wollen wir Kurzfilme drehen, in denen jede:r Schüler:in ein eigenes Talent vorstellt und sich vorher überlegt, mit welcher Ästhetik und in welchem Stil gedreht werden soll.

Ein Schüler will z.B. im Superheldenkostüm und in Actionfilm-Manier zeigen, wie schnell er rennen kann. Eine andere Schülerin möchte in einem Studioset im Künstlerzimmer als professionelle Hunde-Dompteurin auftreten und Tricks vorführen, die sie mit ihrem Hund eingeübt hat. Ein dritter Schüler wiederum will seine Leidenschaft fürs Schachspielen in einem künstlerischen Schwarzweiß-Film beinahe thrillerartig zum Ausdruck bringen.

Ich bin extrem gespannt auf die gemeinsame Umsetzung!

Claudia Sárkány, fliegende Künstlerin

Und so haben die Schüler:innen das erste Halbjahr mit Claudia erlebt – Lara und Elias berichten

Wir haben Bewegungsspiele gespielt, wie z.B. Stopptanz. Ein paar Mal haben wir auch eine Warm-Up-Übung gemacht. Eine:r macht z.B. eine Bewegung vor, die anderen ahmen das nach. Es gab auch Theater-Szenen die wir gemeinsam dargestellt haben, z.B. Kino, Orchester, Schwimmbad oder Friseur.

Ein:e Schüler:in muss bei dieser Performance-Übung vor die Tür treten und darf erst wieder reinkommen, wenn der Rest der Klasse sie oder ihn hereinbitten. Vorher muss die Klasse schnell überlegen, wer welche Rolle im Szenario übernimmt – z.B. Bademeister:in, Eisverkäufer:in oder Schwimmer:in – und gemeinsam kurz proben, wie alles überzeugend und realistisch zusammenspielt, damit der Ort so zum Leben erweckt wird. Der oder die Schüler:in, die nach ihrer Zeit außerhalb des Raums hereingebeten wird, schaut sich die Momentaufnahme und das dargebotene Geschehen wie ein Theaterstück an und muss dann erraten, welcher Ort da präsentiert wird. Beim klassischen Orchester war die Ratezeit am längsten.

Es gab auch ein sogenanntes Taxi-Spiel, bei dem jede:r sich vorher eine Rolle überlegten sollte. Es gibt dabei immer eine:n Fahrer und drei Passagiere. Die Schauspieler:innen mussten miteinander interagieren und Reaktionen und Text improvisieren. Die Kinder, die sonst sehr zurückhaltend sind, haben sich dabei mal von einer ganz anderen Seite gezeigt und haben sich mehr getraut, mit den anderen zu kommunizieren. Die Taxi-Übungen haben wir auch ein paar Mal gefilmt und danach gemeinsam auf der Leinwand im Künstlerzimmer angesehen und besprochen: „Was war besonders gut und lustig? Worauf muss man beim schauspielerischen Improvisieren besonders achten?“

Einige Male haben wir mit Bildkarten ein Geschichtenerzähl-Spiel durchgeführt. Jede:r Schüler:in zieht aus dem Stapel eine Karte mit einem Bild und muss sich dazu laut etwas ausdenken. Die nächste Person zieht wieder eine Karte und erzählt inspiriert von dem Bild darauf die Geschichte weiter. Bei diesem Spiel mussten alle üben, einander besonders gut zuzuhören, spontan zu reagieren und gemeinsam einen roten Faden für eine interessante, lustige und spannende Geschichte zu spinnen.

Ein Mal haben wir, um den Klassenzusammenhalt zu stärken und unsere Klasse zu verschönern, eine Art Origami-Schmetterlings-Fabrik für ein riesiges Mobile veranstaltet. Wir haben dafür etliche Schmetterlinge gefaltet.

Die Schauspiel-, Performance- und Improvisationsübungen bilden eine Grundlage für das Projekt, das wir in diesem Schulhalbjahr mit der fliegenden Künstlerin angehen: In kurzen Filmen präsentiert jede:r Schüler:in der 4a ein Talent. Darin muss man – selbst wenn man als man selbst auftritt – deutlich sprechen, gut improvisieren können, performen und sich auf starke Weise präsentieren. In den Schauspiel-Workshops und -Übungen und dem Geschichtenerzähl-Spiel mit der fliegenden Künstlerin im ersten Halbjahr wurden wir darauf vorbereitet.

Lara und Elias, Schüler:innen der Klasse 4a